Ulf Schiewe

 

Interview mit dem Autor Ulf Schiewe

 

 

 

1. Wie alt bist Du? Wo kommst Du her?

In meinem Alter lässt man Geburtstagsfeiern lieber ausfallen. Genügt zu sagen, ich bin in Niedersachsen geboren, in Münster aufgewachsen und habe meine jungen Jahre in der französischen Schweiz verbracht. Dann kamen langjährige Stationen in Paris, Brasilien, Brüssel und Stockholm, bis es mich Mitte der Achtziger nach 25 Jahren wieder nach Deutschland getrieben hat.

 

2. Wie ist Deine familiäre und berufliche Situation?

Meine Frau ist Brasilianerin, und wir sind seit über vierzig Jahren glücklich verheiratet. Wir haben drei Kinder, die natürlich längst aus dem Haus sind und ihren eigenen Lebensplan verfolgen. Beruflich war ich mein Leben lang als Manager mit vielen Reisen ins Ausland in der Software-Industrie tätig, meistens bei amerikanischen Firmen. Inzwischen ist das Schreiben seit einigen Jahren zu meinem hundertprozentigen Beruf geworden.

 

3. Welche Hobbies hast Du neben dem Schreiben?

Im Moment habe ich gar keine Zeit für Hobbies, da ich vollauf mit Schreiben beschäftigt bin. Ich unterbreche nur täglich mit einer Runde Joggen, um mich fit zu halten. Früher war Segeln mein Hobby. Wir hatten eine Hochseejacht an der Scheldemündung und sind viel auf der Nordsee herumgeschippert bis nach England, Holland und Frankreich. Diese Erfahrungen sind natürlich auch in „Bucht der Karibik“ eingeflossen.

 

4. Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Fast zufällig. Irgendwann, ich glaube, es war 2004, wir waren kurz davor, nach München zu ziehen, hatte ich die verrückte Idee, einen Roman zu schreiben. Und das trotz Berufsstress, Geschäftsreisen und familiären Verpflichtungen. Ich war zwar schon immer eine Leseratte gewesen, aber hatte natürlich vom Schreibhandwerk selbst wenig Ahnung. Aber da ich ein guter Autodidakt bin, habe ich mich erstmal ausgiebig damit befasst und durch Lektüre gebildet, dann einen Plan gemacht, mein Thema intensiv recherchiert und mich ans Werk gemacht. Natürlich immer nur, wenn meine Arbeit und die Zeit es erlaubte. Das Ergebnis war „Der Bastard von Tolosa“ (920 Seiten), der Ende 2009 bei Droemer erschien. Da ich nie vorher auch nur eine Kurzgeschichte geschrieben hatte, waren viele in meinem Umfeld überrascht, dass ich gleich ein so gewichtiges Werk zustande bringen und noch dazu einen renommierten Verlag finden konnte, was normalerweise wirklich sehr schwierig ist. Dieses Buch hat inzwischen viele Leser begeistert und ist weiterhin im Handel.

 

5. Wie viele Veröffentlichungen hast Du schon und welche?

Inzwischen sind sieben Romane von mir im Handel. Zu „Der Bastard von Tolosa“ sind in der Montalban-Reihe noch zwei weitere Romane gekommen, „Die Comtessa“ und „Die Hure Babylon“. Alle drei spielen in der Zeit der Kreuzzüge und Troubadoure. Sie sind spannend und gleichzeitig informativ, versetzen den Leser in die unruhigen Zeiten des zwölften Jahrhunderts. Und nach Südfrankreich, der Wiege der höfischen Ritterkultur.

Danach kam die Normannensaga, über den bei uns nicht so bekannten Siegeszug normannischer Söldner in Italien und die Entstehung des mächtigen Normannenreichs in Süditalien und Sizilien, dem späteren Königreich Sizilien. Bisher sind drei Folgen erschienen, „Das Schwert des Normannen“, „Die Rache des Normannen“ und „Der Schwur des Normannen“. Die vierte Folge erscheint dieses Jahr im Dezember unter dem Titel „Der Sturm der Normannen“. Auch diese Bücher sind gut recherchiert und beruhen auf historischen Fakten, lesen sich aber wie Thriller. Zumindest behaupten das die Leser.

Ein ganz anderes Thema habe ich in „Bucht der Schmuggler“ behandelt. Hier geht es um die Abenteuer eines jungen Bremer Handelsherrn in der Karibik des 17. Jahrhundert. Eine schillernde Geschichte mit Seefahrerelementen, aber auch über das Leben in den tropischen Kolonien, Sklavenhandel, das Leben auf einer Zuckerrohrplantage und den gefährlichen Geschäft der Schmuggler.

Inzwischen arbeite ich an einer Trilogie, die das aufregende Leben eines jungen Wikingers und späteren Königs von Norwegen behandelt, mit Handlungsorten in Norwegen, Schweden, Russland und im Mittelmeer. Es geht um Krieg, Liebe, Familie, politische Intrigen am byzantinischen Hof und natürlich die Entwicklungsgeschichte einer schillernden Persönlichkeit. Das erste Buch ist bereits fertig und ich stecke mitten im zweiten Teil.

 

6. Wie schwierig war es für Dich Dein Buch zu veröffentlichen?

Eigentlich möchte ich über dieses Thema gar nicht so gern reden, denn ich weiß, wie schwer es in Wirklichkeit ist. Ich möchte da niemandem falsche Hoffnungen machen, denn mein Weg ist eher eine Ausnahme. Unter tausend Manuskripten schaffen es vielleicht ein oder zwei, tatsächlich veröffentlicht zu werden. Sehr frustrierend für viele, die sich berufen fühlen, zu schreiben. Man könnte sagen, ich habe Glück gehabt, aber das ist es auch nicht, denn ich habe hart dafür gearbeitet, nicht nur am Manuskript, sondern auch an der Vermarktung meines Textes. Das allerwichtigste ist natürlich ein guter, überzeugender Text. Nicht nur gut geschrieben, sondern auch spannend und unterhaltsam. Dann muss man die richtigen Schritte unternehmen, damit er überhaupt wahrgenommen wird. Und drittens muss er bei einem Verlag vom Thema her ins Programm passen, beziehungsweise muss ein Programmplatz vorhanden sein. Denn die sind oft schon von etablierten Autoren besetzt. Dazu kommen die persönlichen Präferenzen der Lektoren, die eine Auswahl zu treffen haben. Da spielen also viele Faktoren eine Rolle. Für ein Erstlingswerk ist es daher schwer, diese Barrieren zu durchbrechen.

 

7. Wie stellst Du Dir Deine schriftstellerische Zukunft vor?

Solange meine Bücher beim Leser ankommen, werde ich weiterschreiben. Es macht mir Spaß, und an Themen und Stories mangelt es nicht. Im nächsten Jahr wartet schon ein neues Projekt auf mich, das bereits verkauft ist. Der Roman wird diesmal in Deutschland spielen. Ein ehrgeiziges Projekt, aber ich freue mich schon sehr darauf.

 

8. Möchtest Du was zu Deinem aktuellen Roman sagen, bzw. zu den Folgebänden?

Ich hatte sehr viel Freude, „Bucht der Schmuggler“ zu schreiben. Meine Jahre im tropischen Brasilien und meine Segelerfahrung konnten hier einfließen. Und natürlich auch die Inspiration aus Büchern meiner Jugend, von Entdeckungsreisen, Piraten und Abenteuern in tropischer Natur. Und neben der abenteuerlichen Geschichte findet der Leser auch viel Interessantes über die Epoche. Eine Fortsetzung ist geplant, aber noch nicht unter Vertrag. Ich hoffe allerdings, dass ich sie werde schreiben dürfen.

 

9. Was ist Deine Motivation zu Schreiben bzw. Deine Inspiration?

Ich habe während der Arbeit am ersten Buch entdeckt, dass ich mich gerne in andere Welten hineinversetze, Figuren erfinde und sie auf meiner Bühne spielen lasse. Ich liebe auch die nötige Recherche. Ich behandle ja meist historische Ereignisse in meinen Büchern und lasse auch historische Persönlichkeiten neben den fiktiven auftreten. Man entdeckt so vieles, manchmal sogar Haarsträubendes, dass man sich als Autor gar nicht besser ausdenken könnte. Und natürlich motivieren mich die Leser, wenn ihnen gefällt, was ich schreibe. Es ist allerdings viel Arbeit im stillen Kämmerlein und verlangt tägliche Disziplin. Aber wenn man einmal im Rhythmus ist, kann man schlecht aufhören. Wenn ich mal einen Tag nicht an einem Buch arbeite, fühle ich mich irgendwie unwohl. Schon verrückt, oder?

 

10. Wie zufrieden bist Du mit Deinen bisherigen Veröffentlichungen? (Leserreaktionen etc.)

Wenn einem ein Buch gelungen ist, ist das schon ein befriedigendes Gefühlt. Die Leserreaktionen zu meinen Büchern sind fast durchweg positiv. Das kann man bei Amazon leicht sehen. Die Verkaufszahlen sind gut, auch wenn man sich immer noch ein bisschen mehr wünscht. Insgesamt kann man sicher sagen, dass ich mir im Historischen schon einen Namen gemacht habe. Ich arbeite daran, auch weiter die Leser mit meinen Geschichten zu erfreuen. Jede neue Aufgabe ist wieder eine Herausforderung, der man sich stellen muss.

 

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!

 

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